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Erster Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

Morener aͤrgerte sich uͤber sich selbst, wenn er sich wie jetzt 
bei derartigen Gedanken ertappte. Ein Mann von meinem 
Format pfeift auf derart aͤußerliche Dinge, redete er sich 
zu, fuͤhlte aber im selben Augenblick, daß er sich belog und 
gestand sich, daß diese krankhaft gesteigerte Sehnsucht, 
auch Leonard Reichenbachs gesellschaftliche Stellung zu 
erobern, ihm mehr wert war als alle geschaͤftlichen Er⸗ 
folge. — 
Der Privatsekretaͤr meldete Herrn Karl Morener. Sofort 
reagierte sein Gehirn mit dem Gedanken: vielleicht durch 
ihn! — Er saß in seinem Bureau, einem großen hellen 
Raum, in dem außer einem großen Perserteppich nur ein 
paar Sessel und ein Riesenschreibtisch standen. An den 
Waͤnden hingen die Bilder der Reichenbachschen Chefs, 
die fuͤr ihn mehr als nur dekorativen Wert hatten, und 
an denen die Ubernahme von Bank und Schloß beinahe 
gescheitert waͤre. 
Als sein Neffe Karl, der zusammen mit Heinz Reichen⸗ 
bach seit zwei Jahren Prokura hatte, das Bureau betrat, 
sah Morener zur Uhr und sagte: 
»Guten Morgen, mein Junge! So fruͤh habe ich dich hier 
noch nie gesehen.« 
Karl, eine durchtrainierte Sportfigur, der bei aller aͤuße⸗ 
ren Pflege — ja, je mehr er sich pflegte, um so deutlicher 
— etwas vom Professional anhaftete, erwiderte kuͤhl: 
»Es ist dein Wunsch, daß ich Sport treibe und Gesell⸗ 
schaften besuche. Wenn ich morgens reite, vormittags 
Tennis spiele, nachmittags Golf und abends Bridge — 
ich bitte dich, wo soll ich da die Zeit hernehmen, mich um 
das Geschaͤft zu kuͤmmern?« 
Karl ließ sich, ohne die Aufforderung seines Onkels ab— 
zuwarten, in einen Sessel fallen, der gegenuͤber dem 
2 L.,R. 
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