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Dritter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

»Ich haͤnge an der Gegend,« erwiderte Frau Reichenbach, 
»und wohne lieber hier in den drei Zimmern als in acht 
am Kurfuͤrstendamm.« 
»Ich meine weniger die Gegend als die Art, wie Sie sich 
das alles hier auf verhaͤltnismaͤßig kleinem Raume her—⸗ 
gerichtet haben.« 
Frau Reichenbach, die von Kindheit an an diese Art 
Milien gewoͤhnt war und daher nichts Ungewoͤhnliches 
darin sah, glaubte, er wolle ihr irgend etwas Nettes sagen 
und erwiderte: 
»Sie sind sehr liebenswuͤrdig, Herr Morener. Aber darf 
ich fragen, welchem Umstand ich Ihren Besuch verdanke? 
Sie verbinden doch wohl irgendeinen Zweck damit.« 
»Allerdings — und zwar einen wenig angenehmen. Es 
handelt sich um einen Einbruch in unsere Bank. Man hat 
des Nachts einen Geldschrank im ersten Stock erbrochen 
— oder nicht erbrochen — das weiß man nicht — jeden⸗ 
falls: der Schrank ist geoͤffnet, beschaͤdigt — und beraubt. 
Und zwar fehlen Devisen im Betrage von fuͤnfmalhun⸗ 
deritausend Mark.« 
»Wie graͤßlich! und was fuͤr ein hoher Betrag! — Ich 
hoffe, die Bank wird keinerlei Schwierigkeiten dadurch 
haben.« 
»Den Verlust wird sie tragen koͤnnen.« 
Eine Pause entstand. Dann sagte Frau Reichenbach: 
»Ich finde es sehr taktvoll von Ihnen, Herr Morener, 
daß Sie mich persoͤnlich davon unterrichten. Wenn ich 
auch keinerlei Beziehungen mehr zu der Bank meines 
Mannes habe — sie fuͤhrt seinen Namen und irgendwie 
ist man doch mit ihr verwachsen — jedenfalls haͤtte es 
mich eigentuͤmlich beruͤhrt, wenn ich durch die Zeitungen 
davon erfahren haͤtte.« 
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