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Dritter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

hielt vor einem Nachtcafé, das um ein Uhr schloß, um 
bei erhoͤhtem Betrieb um fuͤnf Uhr fruͤh wieder zu oͤffnen. 
Er stellte den Wagen ab und stand gleich darauf in 
einem kleinen Raum, in dem Frauen und Maͤnner, denen 
man ihr Gewerbe auf hundert Schritte ansah, tanzten 
und laͤrmten. Der seltene Gast fiel um so mehr auf, als 
sich alle hier untereinander kannten, jedem Fremden da⸗ 
her mit Mißtrauen begegneten. Eins der Maͤdchen fluͤ⸗ 
sterte dem Wirt etwas zu, woraufhin der dicht an Reichen⸗ 
bach herantrat und leise zu ihm sagte: 
»Mach, daß du mit deiner Karre wegkommst. Die Luft ist 
dick!« 
Reichenbach verstand ihn nicht, sagte: 
»Einen Kognak und einmal Telephon!« — Ließ ihn ste⸗ 
hen und ging auf den Fernsprecher zu. Der Wirt jagte 
ihm nach, riß ihm, als er trotz des Laͤrns die Nummer 
bereits genannt hatte, den Hoͤrer aus der Hand und 
sagte: 
»Laß mir den Wagen! Dir jagen sie ihn doch wieder ab.« 
— Dann zog er die Brieftasche heraus und hielt ihm ein 
Buͤndel Banknoten vor die Nase: »Zwo Mille! Na? 
Eiwerstanden?« 
»Der Wagen gehoͤrt mir und ist unverkaͤuflich.« 
Ein Hoͤllengelaͤchter ging durch den Raum. Ein paar 
Kerle, die an der Tuͤr standen, verstaͤndigten sich. — 
Reichenbach, der mit seinen Gedanken ganz wo anders 
war und dem das alles viel zu lange dauerte, hielt einen 
Fuͤnfzigmarkschein hoch und rief: 
»Der gehoͤrt euch, wenn ihr zwei Minuten lang ruhig 
seid und mich telephonieren laßt.« 
Ein Hallo folgte den Worten. Aber gleich darauf trat 
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