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Dritter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

es erfuhr — und sie die Folgen auf sich nahm. — Der 
Weg ins Freie war es, wenn sie Karl Morener folgte — 
mehr nicht. Er war nicht der Mann, der sie gluͤcklich ma— 
chen konnte. Ihre Kraͤfte hatten versagt, als es noch Zeit 
gewesen war, ihn abzuweisen. Schon damals wußte sie, 
daß sie sich damit unloͤslich an ihn kettete. War das auch 
nicht ihre Absicht gewesen, so hatte sie es durch ihr Dul— 
den und ihre Schwaͤche doch mitverschuldet. Also war sie 
ihm gegenuͤber verpflichtet. Und sie war nicht die Frau, 
die sich der Verantwortung entzog. 
Karl stoͤrte sie nicht in ihren Gedanken, sondern wartete 
ab. Und als sie jetzt sagte: 
»Also in drei Monaten — dann ist es jetzt Zeit, daß wir 
an unsere Flucht denken.« 
»Ich habe seit gestern, als du mir davon sprachst, an 
nichts anderes mehr gedacht,« erwiderte Karl. »Aber war— 
um wollen wir drei Monate lang warten? Das Leben ist 
kurz! Und es ist schade um jeden Tag, der uns verloren— 
geht.« 
Hedda empfand derart konventionellen Phrasen gegen— 
uͤber ein Unbehagen, daß es ihr schwer fiel, sich zu be— 
herrschen. 
»Nicht einen Tag fruͤher!« sagte sie kalt. »Er muß wis— 
sen, ich fliehe seinetwegen.« Und da sie glaubte, noch 
nicht deutlich genug gewesen zu sein, so fuͤgte sie hinzu: 
»Nicht etwa, weil ich seiner uͤberdruͤssig waͤre, sondern 
als freiwilliges Opfer, das ich in meinem Schuldbe— 
wußtsein ihm bringe! Nicht aber aus Leidenschaft zu 
dir!« 
Karl dachte nicht viel uͤber den Sinn ihrer Worte nach. 
Die Tatsache, daß sie mit ihm fliehen wollte, sprach fuͤr 
ihn eine so beredte Sprache, daß ihre Reflexionen da⸗ 
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