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Erster Teil Achtes Kapitel

Full text: Villa im Tiergarten / Landsberger, Artur (Public Domain)

immer wieder, — Uebrigens hat sie mir geschrie- 
ben. Sehr nett und sehr klug — na, das ist bei 
ihr ja natürlich. Du „machtest Dich“ — so spricht 
man von einem Baby, das man großpäppelt, oder, da 
der Vergleich nicht paßt, von einem Tier, das man 
abrichtet — aber nicht von einem Kerl wie Dir. Und 
dann schreibt sie, daß Du in allernächster Zeit an 
die Oeffentlichkeit trittst. — Ich kann mir nicht hel- 
fen, Willy, aber alles das wirkt dumm und ekelhaft 
auf mich. Sie machen aus Dir einen Popanz, und ich 
will sehr hoffen: nur äußerlich. Denn, wenn Du so 
dämlich bist und Dir am Ende gar selbst einbildest, 
daß Du irgend etwas anderes bist als ein dummer, 
anständiger Kerl, dann kannst Du mir leid tun. Aber 
das ist ja auch etwas an Dir, was ich mag, daß Du 
Dir nie was eingeredet hast. Denn früher, da warst 
Du wer als der verwegenste Einbrecher, und alle 
Deine Bekannten haben zu Dir aufgeschaut und ge- 
sagt: Der Willy, das is ’n Kerl! Und wer mit Dir 
mitgehen durfte, ein Ding drehen, der stieg in unse- 
rer Achtung. Das war schon alles ganz gut so und 
hatte seine Berechtigung. Aber Du bliebst darum 
doch immer der einfache Kerl, der seinen Weg ging, 
der nun mal krumm war, aber doch Mut und Kraft 
und Gott weiß was erforderte. Was Du jetzt machst, 
Oder richtiger, mit Dir machen läßt, ist ein Dreck 
dagegen, Genau wie bei mir. Die Kleider stehen mir 
glänzend, und auf der Photographie sehe ich wie 
eine Dame aus. Ich tue kaum etwas dazu, bewege 
mich ganz natürlich, weil ich innerlich ja doch pfeife 
auf das Theater. — Die sagen, es käme, daß ich so 
gut bin, weil ich völlig unbefangen wäre. Ich möcht’ 
mal wissen, weswegen ich befangen sein soll. Die 
Menschen da um mich herum nehm’ ich doch nicht 
für ernst. Das Pack spreizt sich und belügt und be- 
trügt und beneidet sich, daß einem das Kotzen 
kommt. Ich kümmere mich einen Dreck um sie, 
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