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Erster Teil Neuntes Kapitel

Full text: Villa im Tiergarten / Landsberger, Artur (Public Domain)

Versuch, ihn für das Leben zu retten, machte es ihm 
vielleicht unmöglich. . 
„Wir dürfen das nicht übereilen,‘“ wandte sie ein. 
„Das muß durchdacht und überlegt sein.“ 
„Was gibt es denn da zu überlegen?“ fragte Häslein. 
„Es kommt darauf an, ihn für das Leben zu gewin- 
nen,“ 
„Das verstehe ich nicht,“ sagte Häslein, und Frau 
Inge fuhr fort: 
„Ob er nun einen Monat länger oder weniger sitzt, 
bleibt sich gleich.“ 
„Er darf überhaupt nicht sitzen!“ erklärte Häslein, 
und zwar so bestimmt, daß auch Willy, der zwar mehr 
zu Frau Inges Ansicht neigte, meinte: 
„Das wäre das beste! Dann widerrufe ich einfach, 
und Sie auch.“ — Im selben Augenblick überzeugte er 
sich auch schon, daß das unmöglich war und sagte: 
„Nee, das is nich zu machen. Absitzen muß ich. Wenn 
ich nur nicht länger als ein Jahr kriege.“ 
„Ein Jahr?“ rief Häslein, „das wäre furchtbar!“ 
„Und meine Jungens, daß die inzwischen nich in den 
Dreck kommen.“ 
„Dafür sorgen wir,“ versprach Frau Inge und fragte: 
„Wie steht’s mit Ihrer Frau? Braucht die Hilfe?“ 
„Die hat Arbeit und hilft sich selbst — und sorgt 
auch für die Jungens, wenn sie gesund ist. Aber meist 
is sie krank, überhaupt, die is nich halb und nich ganz. 
Anschaffen soll man und anständig sein soll man auch. 
Das mach’ mir mal einer vor!“ 
„Um Frau und Kinder kümmern wir uns,“ sagte 
Frau Inge. Willy sah sie halb froh. halb zweifelnd an 
und sagte: 
„Wenn das wahr is? Dafür, daß ich Sie bestohlen 
habe? Das will mir nicht in den Kopf.“ 
„Nicht darum,“ erwiderte Frau Inge. „Das hat da- 
mit gar nichts zu tun.“ 
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