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Elftes Kapitel

Full text: Leute machen Kleider / Hochstetter, Gustav (Public Domain)

Der Chauffeur hielt vor dem Griechen-Beisel. 
Fleischmarkt Ecke Griechengasse. Dankte für Fahrlohn 
und Trinkgeld zehnmal so eifrig wie seine Kollegen an 
der Spree. 
Wundervolles Pilsener gab es in dem Griechen- 
Beisel, das ein umgebautes, altes Kloster ist. Trauliche, 
winkelige Stuben. Und wie der Gulasch herrlich schmeckte. 
Der‘ Gulasch. In Berlin sagt man ‚das‘ Gulasch. 
Der? schmeckt besser als — ‚das‘. 
Frisch und gestärkt fuhren Rinitz und Liselotte in 
einem anderen Taxenauto durch altertümliches Straßen- 
gewimmel zum Amtsgebäude des Wiener Rundfunks, 
der nicht Rundfunk heißt, sondern Radio. 
Wie eine Karikatur der vorwöchigen Unterredung 
mit Professor Detmold wirkte der Besuch beim Wiener 
Radio auf Liselotten. Da saß in der Schallplatten- 
abteilung eine fast genaue Kopie des Berliner Professors 
mit dem gleichen schneeweißen Patriarchenbart. Was in 
der Masurenallee Stilke geheißen hatte, das trug hier 
zwar einen echt wienerischen Namen, aber auch ein 
Monokel. Der Wiener Professor hatte die gleiche 
Verhandlungstaktik wie der Berliner: zuerst durch lange 
Privatgespräche vertrauter miteinander werden, dann 
auf die Sache näher eingehen. 
önteresse für die Plattensammlung war in Wien, 
genau wie es in Charlottenburg gewesen war. Und Vinitz 
wartete im Vorzimmer, so wie damals, um erlt bei Be— 
darf in Erscheinung zu treten. 
Während seines Wartens war dem kleinen Agenten, 
als er die Bilder des Amtszimmers betrachtete, ein Ge— 
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