Path:
Siebentes Kapitel

Full text: Leute machen Kleider / Hochstetter, Gustav (Public Domain)

in drei Längs-Schichten. Alle zehn Sentimeter ist jede 
—V 
zogen. Auf jedem solchen Querbrettchen ruhen ungefähr 
zwanzig Schallplatten. 
„Ein Schatzl“ jauchzte Stilke. 
Er nimmt da und dort eine Schallplatte heraus. Alle 
sind so gut wie neu. 
Er freut sich: „Herrliche Sachen! Göttlich. Das ist 
eine Platte des weltberühmten Sprechers Josef Kainz. 
Den „Cotentanz“ von Goethe trägt er vor. Hier eine, 
„Wallensteins Monolog“, gesprochen von — alle Wetterl 
Adolf Ritter von Sonnenthal, kaiserlicher und könig- 
licher Hofschauspieler in Wien, sprach dasl Der große, 
unvergessene Sonnenthal, von dem sie heute noch alle 
lernen können. Und hier zwei, drei Platten des Schau— 
spielers Harry Walden, den ganz Berlin und ganz Wien 
geliebt hat. Platten von Josef Giampietro, der jeden 
Abend zweitausend Menschen in sein Metropoltheater 
zwang. Welch ein Schatz. Man möchte bloß gleich alle 
durchspielen ...“ 
In einem der Querfächer lag kein Schallplatten- 
Stoß, sondern ein dicker Briefordner von Quartformat. 
Liselotte zog ihn heraus. 
„Das ist das Verzeichnis. „Alphabetisches Verzeich— 
nis‘ der Schallplatten steht darauf.“ 
Stilke riß es ihr aus den Fingern. 
Er blätterte, las Namen: 
„Unglaublich schönt Platten, die die Melba noch 
besungen hat, Platten der längst verstorbenen großen 
Sesangmeisterin Lilli Lehmann. Platten des toten 
107
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.