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Full text: Heimliches Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

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samsten Bewegungen gewagte berlinische Sassenlieder 
vortrug. Dabei sprach sie das meiste in trockenem Ton 
und ging nur bel den besonders derben oder witzigen 
Zgtellen in einen tiefstimmig langgezogenen Sesang über. 
Sißner, der um diese Zeit in Fancys Leben eintrat, 
erwarb das besondere Berdienst, sie wieder mit ihren 
Sltern zu versöhnen, nachdem sie ihm öfters erklärt 
hatte, sie habe Heimweh nach „Mutterns LSofa mit 
Ambau und Baterns Pfeifenstellage“. Sie unterhielt 
sich gern und lange mit Portierfrauen und Markt⸗ 
weibern, noch lieber mit Monteuren, 8Straßen⸗ und 
Kanalarbeitern, überhaupt allem Mannsvolk, das in 
grimassenschneidenden Delvethosen umherläuft. Se⸗ 
bildete Leute hatten im allgemeinen bei ihr einen 
schlechten LStand. „Frisierte Fressen kann ich nicht aus⸗ 
stehen“, pflegte sie zu sagen. Ihren Freund Sißner ver⸗ 
anlaßte sie mit Dorliebe, sie in wüste Spelunken und 
Tanzhöhlen des nördlichen Berlin zu begleiten. Sr 
mußte bei schalem Bier zusehen, wie sie mit den echten 
und falschen Matrosen tanzte. Manchmal geriet er 
dabei in Sefahr, benahm sich aber immer sehr mann⸗ 
haft. Bei Anspielungen auf die AÄngstlichkeit seiner
	        
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