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Full text: Heimliches Berlin / Hessel, Franz (Public Domain)

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kam sie oft. Als sie einmal ausblieb, war mir der 
Sedanke unerträglich, es könne eine Zeit kommen, 
da ich nicht mehr in den seltsamen Zusammenklang 
von dunkelblonder Haut und mattblondem Haar, nicht 
mehr den großaushaltenden Blick der Augen, nicht 
mehr die milde und trotzige Wucht der geraden und 
wunderbar abgerundeten Nase mit den UAeinen Nästern 
sehen sollte. Das begreifst du?“ 
„Sehr!!, sagte Wendelin und hatte das Sefühl, daß 
auch er nie von Karola lassen könne. 
„Obwohl ich wußte, daß sie viele Freunde hatte, 
die sicher für Liebe und Ehe geeigneter waren als ich, 
obwohl alle Amstände und Berhältnisse eher ungünstig 
waren, sagte ich ihr einmal in dem ruhigen Ton all 
unserer Sespräche — wie sollte ich auch einen an— 
dern finden? —, ich könne mich nicht von ihr trennen, 
worüber sie sich gar nicht wunderte. Schon zwei Mo— 
nate nach diesem merkwürdigen Morgengespräch saßen 
wir Hand in Hand in dem schönen Vorderzimmer dort, 
wo setzt ein fremder Mann wohnt. Wir blieben Tag 
und Nacht zusammen, manchmal ist sie sogar in mein 
sRolleg gekommen. Ich arbeitete viel besser, wenn sie 
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