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10. Kapitel

Full text: Die alte Firma / Edel, Edmund (Public Domain)

kaufte und verkaufte. Die Bank hatte ihm einen Kredit 
eingeräumt, dessen Umfang er nicht einmal benötigte, 
weil die Barbeträge zur Betriebsführung genügten. 
Der alte Kommerzienrat Seltenow, der sich be— 
müßigt fühlte, von Zeit zu Zeit in die internen Kassen⸗ 
verhältnisse der Firma einen mehr dilatorischen Ein— 
blick zu nehmen (ohne seinen Schwiegersohn brüskieren 
zu wollen), schlug die Hande über dem Kopf zusammen. 
Er fand zu diesem überhitzten Cempo und den schwindel⸗ 
haft hohen Umfätzen keine innere Beziehung. Für 
Sebastian Oworak aber, der wie ein kühl bedachter 
Kapitän sein Schifflein durch den Sturm steuerte, 
empfand er stille Berehrung und Achtung. 
Karl Millag tauchte im Betrieb der Firma unter. 
Sebastian hatte ihm sein Ressort übergeben: das Ge— 
schmackliche der Musterung und die Leitung des Per— 
sonals. Mit ruhigen Sinnen vollzog er sein Tagewerk, 
aber auch er konnte sich der Hast- und Hochkonjunktur 
nicht entziehen. Auch er wurde von der Bewegung 
mitgerissen. 
Aber er ahnte die Katastrophe. 
Jetzt, da Bertie ihm noch näher als früher stand und 
ihre Seelen ganz aufeinander sich stimmten, waren die 
Warnungen seiner jungen Frau wie Bleigewichte, die 
er mit sich schleppte. 
An der Kisono⸗Studiengesellschaft die Firma Selte⸗ 
now & Millag zu beteiligen, hatte er abgelehnt. Diese 
Industrie paßte nicht in den Rahmen ihrer Produktion. 
Sebastian Oworak beugte sich vor den Gründen, die 
ihm sein Teilhaber logisch und klar vor Augen führte, 
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