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10. Kapitel

Full text: Die alte Firma / Edel, Edmund (Public Domain)

Obgleich Bertie als „illegitime Beziehung“ ge— 
wissermaßen nicht zur Gesellschaft gehörte, war Anita 
Dworak vorurteilslos genug, die Freundin des Teil— 
habers ihres Mannes und des Sohnes des väter⸗ 
lichen Kameraden in ihren kleinen Kreis einzuführen, 
dem sie in diesem Luxushotel des Winterkurortes, wie 
es ihre Gewohnheit war, durch ihre Person die Marke 
gab. Es war ein Kreis von jüngeren und älteren 
Leuten, gemischt aus Spekulanten, Schnellverdie- 
nern, Sensationssnobs und Vergnügungsjägern, ge— 
teilt in beide Geschlechter, von denen das schwächere 
die starke Hälfte im Ausmaß der Zügellosigkeit und 
in der Steigerung der Lebenslust bei weitem über— 
flügelte. 
In der Laune des Silvestertrubels wurde Bertie 
gnädig in diese laute, lachende, ausgelassene Gesell- 
schaft aufgenommen, und die allgemeine Stimmung, 
die bald den Zenit erreichte und damit die trotz aller 
Freiheit des Abermuts von der Konvention gezogenen 
Grenzen übersprang, trug dazu bei, Anita und Bertie, 
die, was ihre Natur betraf, so verschiedenen beiden 
weiblichen Anhängsel der Firma Seltenow & Millag, 
einander zu naͤhern. 
Dabei hatte Bertie, die eine instinktive Beobach⸗- 
tungsgabe besaß, die Zusammenhänge geahnt, die 
Professor Kitz, Anita und ihr Kreis bildeten. 
Anitas Angelegenheiten, ihre Flirts, Eskapaden 
Faxen, wie sie sich in der Sprache von Berlin N. aus- 
drückte), gingen Bertie nichts an. Sie dachte, die 
Damen der guten Gesellschaft hätten solche Zerstreu— 
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