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8. Kapitel

Full text: Die alte Firma / Edel, Edmund (Public Domain)

Amüsieren. Herr Lehmann hatte stets einen Witz auf 
Lager oder ließ sie Rätsel raten, deren Auflösung 
einen Sturm der sittlichen Entrüstung und ein ver— 
ständnisvolles Kichern hervorrief. Aber den Ton im 
„Harem“ (diese Bezeichnung war auf den zweiten 
Chef, Herrn Karl Millag, zurückzuführen, eine Be— 
zeichnung, die sein Freund Birikoff gelegentlich eines 
Rundganges geprägt hatte) — den Ton gab Elli 
Packknecht an, die dafür sorgte, daß „feste geschuftet“ 
wird, wie sie sich ausdrückte, wenn's not tut, und daß 
der Mensch 'n Mensch bleibt, sobald man ein bißchen 
Ruhe hat. 
Die Probierdamen hatten nichts zu lachen (natürlich 
nur im übertragenen Sinne). In der Saison waren 
sie wie die Chamäleons: alle Augenblicke schlüpften 
sie in ein neues Gewand, schritten wie Sklavinnen 
auf den Markt, spreizten sich gleich eitlen Pfauen und 
trugen die Schönheiten der Mode auf ihren klassischen 
Körpern, wunschlos, menschliche Automaten und 
Puprven. 
Den Verkaufssalons schloß sich ein fensterloser, 
runder Raum an, der durch kein Tageslicht erhellt 
war. Eigenartige Beleuchtungskörper waren ange— 
bracht: rötlich brennende elektrische Kerzen, weißblaue 
Bogenlampen, grelle Scheinwerfer, ultraviolette Ju— 
piterlampen und grünlichweiße Rampenbrenner. Alle 
diese Lampen waren auf eine in der Mitte stehende 
Empore gerichtet. Eine mächtige Schalttafel an der 
Wand bezeichnete die einzelnen Zuleitungen, die je 
nach Bedarf anzudrehen waren. In diesem Raum 
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