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1. Kapitel

Full text: Die alte Firma / Edel, Edmund (Public Domain)

Einverständnis aller Angehörigen der Branche, holte 
zu ein paar gewichtigen Phrasen über die Lage der 
Industrie aus, Redewendungen, die er in den von ihm 
seit Jahrzehnten geleiteten Fachversammlungen ˖ als 
Erster Vorsitzender am Schnürchen auswendig her— 
zuleiern gewohnt war. Aber er kam nicht mehr zum 
Genuß seiner schöngesetzten Worte. Neue Gäste er— 
schienen, denen er die Hand schüttelte, deren freudige 
Teilnahme am großen Ereignis des Hauses Seltenow 
er entgegennehmen mußte. 
Herrn Meyerfeld gelang es gerade noch, mit unter⸗ 
strichener Betonung auszudrücken: 
„Wir gratulieren Ihnen zu Ihrem Herrn Schwieger- 
sohn, Herr Kommerzienrat!“ Und Herr Grumbte, 
Generalvertreter in Baumwollwaren, murmelte ein 
bestätigendes Ja. 
Die schlanke Silhouette des Kommerzienrats stach 
bereits gegen die purpurroten Seidenwände des großen 
Musiksalons. Umringt von eleganten Frauen und 
wohlgepflegten, gutgekleideten Herren ließ er sich die 
Huldigungen als Spender des jungen, bräutlichen 
Glücks gefallen, das wie ein Sonnenstrahl alle Gesichter 
verklärte. (Vom Brautpaar angefangen bis zum 
mantelabnehmenden Lohndiener.) 
Die Familie Seltenow hatte endlich wieder ihren 
großen Tag. Nach den langen JDahren des Krieges, 
der Umwälzung, der wirtschaftlichen Krisen. Der 
einzige Sohn war gefallen, und die Hoffnungen des 
Vaters wurden mit ihm in der feindlichen Erde be— 
graben. 
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