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[11. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

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der Gruppe keiner den alten Recken erkannte; seiner 
Effekte sicher, legte er von neuem los: „Was wir zu 
erreichen haben, ist nicht die Einheitsfront, von der 
hier‘ — mit einem Blick über die Schulter — „ge- 
faselt wird, und auch nicht dieser naturwissenschaft- 
liche Unsinn — Sie gestatten schon, Herr Oberlehrer““ 
— das Wort Oberlehrer wirkte zündend auf die Um- 
stehenden, alle lachten —, „sondern im Gegenteil: 
Zermürbung jener, die dem eben abgegangenen 
Renegaten Trauergefolge leisten! Herüberziehen, 
magnetisch, der noch nicht verrotteten Elemente zu 
unserem Prinzip, unserer Gefolgschaft ...‘“ Der 
Alte wendet sich zur Frau: „Verrottet sagt er?“ Die 
Frau darauf brüllend dem Alten ins Ohr: „Er will 
die noch nicht verrotteten Elemente zu seiner 
Gefolgschaft ernennen.“ Rodion frug mich: „Was 
ist denn das mit dem jungen Herrn? Partei?“ ‚,Ja- 
wohl, Partei, natürlich; wenn ein Parasit dieser 
Art zu lange seinen Fähigkeiten entsprechend ver- 
wendet wurde, dann hat er sich zu tief eingefressen, 
kennt zu viele intime innere Vorgänge: schwer sich 
seiner zu entledigen.‘“ Rodja hörte zu, sagte dann: 
„Aber die Quähtze stehen außerhalb der Par- 
teien ...‘“ „Was willst du, das ist doch der Lauf 
der Welt oder unseres Parlamentarismus, ach gehen 
wir weiter.“ 
Wir gingen die Friedrich-Ebert-Straße hinauf 
gegen die Linden zu. Rodja sagte zu mir: „Ich war 
fast jeden Abend in einer Versammlung. Aus der 
„Roten Fahne“, aus dem „Vorwärts“, aus dem Blatt
	        
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