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[10. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

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man dann von euch zu hören bekommt, ist: Religion, 
er ist ein religiöser Mensch, er kann nicht mit uns 
halten. Thesius ist es auch. Er ist mit unserer Auf- 
fassung unzufrieden, er kann sich Kommunismus 
nicht ohne Menschenliebe und Religion vorstellen, 
und wenn er die Wahl hat, geht er abseits, und er 
wird uns bekämpfen, paß auf, wenn es einmal darauf 
ankommt.“ „Nein, das wird er nicht.“ „Verlaß dich 
darauf, er wird es, laß uns nur in Gefahr kommen, 
dann wirst du es erleben, jetzt sind wir noch lei- 
dende Idealisten, aber laß uns nur einmal zeigen, 
wie weit unsere Faust hinüberschlagen kann, dann 
wirst du sehen, wie man sich zu uns stellen wird.“ 
„Du irrst, einige werden mit uns gehen. Hast du 
nicht den gesehen, mit den beiden kleinen Kindern 
auf dem Arm?“ Rodja schien nichts von dem zu 
hören, was ich eben gesagt hatte. Er sagte: „Bei uns 
sind solche Massenumzüge besser organisiert als bei 
euch. Wir machen unsere Propaganda, unser Theater 
selber, unsere Regisseure übernehmen das, wir lassen 
dem Pathos des einzelnen keinen solchen Spielraum, 
und was ist das: Ihr habt in den zwölf Jahren noch 
keine einzige revolutionäre Melodie erfunden, nichts 
als die Warschawianka und den Rotgardistenmarsch 
und die Internationale hört man bei euch — nun, 
die kommt ja auch aus Frankreich, aber nichtsdesto- 
weniger, ihr seid doch ein Volk von Künstlern, von 
Dichtern, warum keine populäre Kampfweise, kein 
Kampfgedicht, eure Revolution reicht nicht gar tief, 
das muß ich sagen.“ —
	        
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