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[6. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

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zu lesen stand, herrschte noch eine Weile Stillschwei- 
gen im Raum. Felix Gaube gab das Zeitungsblatt 
Maxim zurück und setzte sich dann in seinen Lehn- 
stuhl, Das Schweigen, das folgte, gemahnte an Sprach- 
losigkeit. Im Grunde war es Bestürzung, die sich der 
jungen Dichtergruppe mitgeteilt hatte. Sonahlagalso 
das Ziel, das man in einer Distanz von zehn oder 
fünfzehn Jahren vermutet hatte? Man mußtesich also 
schon jetzt mit seinen Erstlingswerken als würdig er- 
wiesen haben! Im Geiste vernichtete Werner bereits 
sein Manuskript „Der begehrliche Riese Augen- 
bauch“, in dem er das Bürgertum und seine Tendenzen 
attackiert hatte. Felix, der Vorsitzende, den die Klar- 
heit seiner Gedanken und die Besonnenheit und 
frühe Würde seines Auftretens zu dem Rang des 
Vorsitzenden befähigt hatte, sein Werk belief sich auf 
zwanzig Sonette in klassischer Form, die dem Ideen- 
kreis Rainer Maria Rilkes am nächsten standen, faltete 
beruhigt die Hände. In seinen Sonetten war keine 
Zeile, die seiner Berufung in die Akademie hätte hin- 
derlich werden können. Walter Gutsleb, der Dra- 
matiker, durch die Nachricht vom Durchfall jenes 
Dramas an der Darmstädter Bühne gestärkt, dachte 
intensiv an sein Manuskript, das seit einigen Mona- 
ten beim Dramaturgen des Reinhardt-Theaters lag, 
und seine Gedanken beruhigten sich bei dem Er- 
wägen der Alternative, daß, wenn das Stück gespielt, 
er immerhin ein aufgeführter Dramatiker sein würde, 
wenn das Stück aber vom Dramaturgen abgelehnt 
würde, dies weiter kein Schade wäre, denn Inhalt,
	        
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