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[28. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

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Persönlichkeiten von wegen des nächsten Krieges, Mit 
uns muß man sich verhalten.“ „Was fabriziert man 
denn bei Ihnen?“ „Nun, das wissen wir selber nicht, 
aber etwas wie Giftgas könnte es schon sein. Da geht 
eine Straße von der Chaussee zwei Kilometer lang 
durch die Betriebsgebäude. Hier rechter Hand wird 
Glanzstoff fabriziert und drüben, wo der gelbe 
Rauch aus dem Schlot kommt, diese niedlichen Sei- 
denstrümpfe, Kunstseide, was Sie so an die Beenekens 
von die jungen Fräuleins hier herum und in dem 
schönen weiten Berlin und in dem deutschen Reich 
und in der Welt bemerkt haben werden; und dort, 
wo ich sitze, besser gesagt, stehe, dort wird etwas ge- 
kocht, was keen Appelmus ist, aber was kann unser- 
eener wissen! Die Maschinen sind kompliziert, Zell- 
stoff, sagt man, große Buddeln, darin kocht gelb und 
grün, und man muß sich höllisch in acht nehmen, 
sonst kriegt man die Neese voll und prustet sich die 
Seele aus den Nasenlöchern. Es ist noch gut, daß 
man nicht lange an einem Ort arbeiten muß, sonst 
würde man ganz kaputtgehen. Zwei Monate lang 
habe ich es bei die Düsen ausgehalten, die wo den 
Faden herausspritzen in die Klöppelmaschine. Kom- 
pliziert! Unsereiner, der mit der Industrie zu tun 
hat, starrt vor Bewunderung, wenn er sieht, was Men- 
schengeist ausgeheckt hat! Großartig, wenn die Bee- 
nekens schimmern, wenn der Jazz ertönt! Das ist 
unsere Zivilisation. Aber was der Kupferammoniak 
mit unseren Poren anstellt und diesem feinen Ge- 
webe, das wir in unserem Körper haben und was
	        
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