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[26. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

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nahm mich gleich unter dem Arm und führte mich 
vor den Tisch, auf dem die Liste lag. Er lachte kurz, 
stieß mich, damit ich selber sehen solle, was es für 
eine Liste wäre, und trat dann einige Schritte zurück. 
Ich sah zuerst nur eine Reihe von Unterschriften. 
Klangvolle Namen von Abgeordneten aus vielerlei 
Fraktionen bedeckten die Bogen; es waren Ein- 
ladungen, und der Konzern, der die Abgeordneten 
des Reichstags einlud, hatte einen länglichen Namen, 
ich merkte nicht gleich, um was es sich bei dieser 
Einladung handelte. Da — ich hatte kaum einige 
Sekunden vor dem Tisch gestanden — machte sich 
plötzlich eine scharfe, stürmische Bewegung im 
Wandelgang bemerkbar. Alles stürzte nach den klei- 
nen Pforten, die in den Plenarsaal führen. Da die 
Pforten vor den hineindrängenden Massen der Ab- 
geordneten aufgerissen standen, hörte man Applaus, 
wildes Geschrei, offenbar von der Galerie kommend, 
und dazwischen ohnmächtig und blechern verklin- 
gend die Glocke des Präsidenten. Ich stürzte mit 
Rodja und den Abgeordneten zusammen in den Saal 
und sah folgendes: Wilhelm Knoll stand auf der 
Rednerestrade aufgepflanzt, umgeben von einer 
Gruppe von Männern, Frauen und Kindern. Hinter 
ihm schwang der Präsident seine Glocke, von den 
Ministerbänken her waren Saaldiener auf Knoll und 
sein Gefolge losgestürzt, auch einige Abgeordnete 
mühten sich, die kleine Gruppe auseinanderzureißen. 
Diese aber schlug um sich, die Männer mit Fäusten, 
die Frauen kreischten und griffen in die Haare der sie
	        
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