Path:
[23. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

108 
die Berechtigung einer solchen Kunst, wie sie hier 
auf der Bühne dargestellt wurde, und hatte nur 
widerstrebend, da es ausgeschlossen war, daß sie 
einer solchen Sensation nicht beiwohne, die Loge ge- 
nommen. Der Generaldirektor saß im Hintergrunde, 
doch allen Leuten, die neugierig an der Loge vor- 
übergingen, deutlich sichtbar. Der Freiherr von 
Zielebeck hatte es sich nicht nehmen lassen, sein 
E. K. erster Klasse auf den Frack zu heften. Sein 
Monokel stand im Gesicht wie ein erfrorenes süf- 
fisantes Lächeln, das Ironie und Abscheu ‚ausdrücken 
sollte. (Werner Friedenfeld hatte es vorgezogen, mit 
seinem neugewonnenen Freund Adolf Karmusske, 
mit dem er bereits die Uraufführung in der Großen 
Frankfurter Straße miterlebt hatte, oben auf der 
Galerie Platz zu nehmen, von wo aus die große 
Demonstration nach der Explosion auf der Bühne 
inszeniert werden sollte.) 
Frau Generaldirektor Friedenfeld war sehr un- 
gehalten darüber, daß sich über ihrem Kopf, in der 
Proszeniumsloge des Balkons, jemand befinden 
mochte, der die Aufmerksamkeit des Publikums von 
ihr ab auf diese, eine Etage höher befindliche Sen- 
sation lenkte. Dort saß nämlich, umgeben von jungen 
und älteren, in ärmliche Kleider gekleideten Genossen 
und Genossinnen ein Mann, selber in abgeschabter 
ärmlicher Tracht, die nicht zu den prunkvollen Höl- 
zern und Stoffen paßte, mit denen der Zuschauer- 
raum des Theaters ausgestattet war. Der Mann in- 
mitten der ärmlichen Genossen war der, der vor
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.