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[23. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

189 — 
nachdem er in den Zeitungen seine Absichten der 
aufhorchenden Kunstwelt Berlins kundgetan. Ibsens 
„Kronprätendenten‘“ leiteten die Verwirklichung 
seines Programms ein. Der große Schauspieler Wietz, 
der große Charakterdarsteller Kanneberg sowie der 
„von den Toten auferstandene Held der alten 
Bühne‘ Lückhoff waren in einem mustergültigen 
Zusammenspiel auf der‘neuen Bühne erschienen — 
die Zeitungen teilten ihre Lobeshymnen auf den 
kunstbeflissenen Direktor zwischen Anerkennung der 
Tat und Erwartung der nächsten. Aber schon nach 
dem vierten Abend wies das Theater gähnende Leere 
auf. Auch die Institutionen der Stadt, in denen zu 
billigen Preisen Billette an Beamtenorganisationen, 
Angestelltenvereine und ähnliche in großen Mengen 
abgegeben wurden, erklärten, daß für die „Kron- 
prätendenten“ trotz der Kritiken beim Publikum 
kein Interesse bestünde. Die bedeutenden Schau- 
spieler waren für einen Monat mit großen Gagen 
engagiert, die schon in der zweiten Woche des Un- 
heils die Reserven des Theaters anzugreifen began- 
nen. Herr Direktor Biene, der Dramaturg Norberti, 
der Regisseur Hellwag, der Geldgeber Kommerzien- 
rat Fittelberg und der Geldgeber Kommerzienrat 
Hebenstreit saßen stumm im prunkvollen Versamm- 
lungsraum, der an das Zimmer des Direktors stieß. 
Hellwag hatte den Entwurf für das nächste Drama, 
ein Renaissancestück des bekannten Schriftstellers 
Brüher, im Szenarium ausgearbeitet, besetzt, Sogar 
mit einer Freundin des Herrn Fittelberg, einer
	        
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