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[21. Kapitel]

Full text: Es geschieht in Berlin / Holitscher, Arthur (Public Domain)

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wie sehr er sich freue, mich endlich einmal in seiner 
Villa begrüßen zu dürfen, nachdem wir uns in seinem 
kleinen Palast in der Stadt vor soundsoviel langen 
Jahren zum letztenmal gesehen hatten! Ich pro- 
bierte es, nicht so sehr durch Worte, sondern durch 
mein Mienenspiel auszudrücken, was ich bei diesen 
Worten des Generaldirektors empfand. 
Ich empfand folgendes: Wer sich mit einer un- 
populären Sache zu früh identifiziert, zu einer Zeit 
für sie eintritt, in der die Geschäftemacher sie noch 
als allzu unsicher empfinden, wird aus der Gemein- 
schaft ebenjener ausgeschlossen, die sich später, 
wenn die gefährliche Sache sich durchgesetzt hat, 
somit bereits ungefährlich geworden ist, mit Eifer 
an sie heranmachen und sogar den Nimbus der 
Pfadfinder um ihre Stirn erstrahlen lassen. Ich 
unterdrückte den Wunsch, dem Generaldirektor be- 
greiflich zu machen, daß die Unterbrechung unserer 
Bekanntschaft gar nicht vonnöten gewesen wäre, 
wenn er, was er jetzt tat, sich schon in den ersten 
Monaten der Revolution für die russische Idee ein- 
gesetzt und sich mit den Russen, wie er es jetzt tat, 
nicht nur an einen gemeinsamen Rauchtisch, sondern 
an den Verhandlungstisch gesetzt hätte. Wenn er 
sich überdies, als es noch kein neutrales Komitee 
für Knoll gab, um die Befreiung des zu lebensläng- 
lichem Zuchthaus Verurteilten bemüht hätte — 
aber ich unterließ diese Betrachtungen und hörte 
lieber den verbindlichen Redensarten zu, die der 
Generaldirektor jetzt mit Freund Rodja tauschte.
	        
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