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[Erstes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

und doch blutvoller Schönheit. Seidiges, braunes Haar 
und Vaters graue Augen. 
Ja, so verdiente ich. Es tat auch not. Orje Wuppke 
zahlte kaum. Manchmal kamen er und Vater heim 
und klimperten in den Taschen mit Geld. Dann warf 
jeder Mutter was hin, drei Mark oder fünf Mark. 
Mutter fragte nie nach der Herkunft des Geldes. 
Ob sie glaubte, Vater drehe ein Ding, wenn so Ge- 
legenheit war?... Wenn sie sich hinreißen ließ, vor 
ihm zu klagen, es sei kein Brot für die Kinder da, 
sagte er lachend: 
„Nu, da wer'n wir’'n Ding drehen.“ 
Aber konnte man das ernst nehmen?... 
Oder er sagte, das Geld vor sie auf den Boden wer- 
Fend: 
„Et is’n Ding passiert.“ 
Sie sah weg und hob es auf und sah es an, das 
Silberstück, so sorgenvoll und eindringlich, als könnte 
sie seine Herkunft von ihm ablesen. 
Ich hatte noch eine Verdienstmöglichkeit entdeckt 
damals. 
Wir Jungen sammelten auf der Straße Zigarren- 
und Zigarettenreste. Entweder rauchten wir die Stum- 
mel selbst zu Ende oder verkrümelten den Fabak und 
drehten mit irgendeinem Papier neue Zigaretten daraus 
und verkauften sie an die Jungen aus der Gemeinde- 
schule, drei Stück für einen Pfennig. 
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