Path:
[Erstes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

ben. Und die Bank, die da stand, würde nie einen 
Trauernden und Betenden tragen. Sie mußte weinen 
über ein Leid, das schon Wochen zurücklag. Theo- 
dors Hände wurden naß von ihren Tränen. 
„Teddy,“ flüsterte sie ihm zu. „Teddy, Liebling, 
sie hat dich nie gesehen, sie ist fort, und sie hat mir 
nichts mehr gesagt.“ 
Georg tröstete sich. Er war beinahe Kapitalist. 
Statt Schnaps trank er nun Wein, Perdita war 
schwach, noch einmal, und die Hälfte des Geldes 
zahlte sie auf seinen Namen bei einer Bank ein. Nun, 
er hatte ihr das Kind geschenkt. Gesegnet sei er! 
Aber sie war klug. Sie mietete eine Wohnung. Im 
billigsten Berliner Viertel, am Stettiner Bahnhof in 
der Gartenstraße, und möblierte sie. Sie schaffte Vor- 
räte an, sorgte für die Zukunft, ahnungsvoll und vor- 
bedacht, und wurde fast glücklich dabei. Das Geld 
floß weg, aber sie lächelte. Georg streichelte sie, und 
sie ließ es sich gefallen. Sie hatte Erbarmen mit ihm, 
mit seiner geketteten Menschlichkeit, seiner seelischen 
Unerlöstheit. Hinter frischen Gardinen, zwischen lack- 
duftenden Tannenmöbeln begann sie, eine Häuslichkeit 
zu entfalten. Dazu gehörte Harmonie zwischen den 
Gatten. Und sie demütigte sich zu ihm hinab, als sie 
die Vergeblichkeit, ihn zu erlösen, einsah. 
Ach, es gab ja nichts zu erlösen... Er war nicht 
verwunschen in ein Halbtier: er war ein Halbtier. 
„R
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.