FSCHAFTIGVINO UND RELIGION DEP GERMANEN 11
und mit Purpur besetzte ärmellose Gewänder, die Hals und Nacken
freiließen. Um den Feinden durch wildes Aussehen Furcht einzujagen,
wurden bei jung und alt die Haare nach hinten zu hochgekämmt und
zu einem Schopf zusammengebunden.
Ihre bedeutendsten Gottheiten waren Wodan und seine Ge—
mahlin Frigga oder Freya, Donnar und Tiu oder Ziu, die sie
hoch verehrten und denen sie im heiligen Walde, dem National—
heiligtum des großen Suevenvolkes auch — Menschenopfer darbrachten.
Diese Semnonen preist Tacitus als einen der mächtigsten, ältesten und
edelsten Stämme, dem die „Ehre“ mehr als das Leben galt, und an
ihren westlichen Nachbarn, den Longobarden, rühmt er besonders die
Tapferkeit.
Die sozialpolitische Entwicklung der Germanen entsprach ihrer
Freiheitsliebe. Sie ließen sich nicht gerne in Städte oder Dörfer zu⸗
sammenzwängen, sondern siedelten sich grötenteils zerstreut in Einzel⸗
höfen an. So bildeten sich auf diese Weise viele kleine Bauernschaften, die
sich nach dem Oberhof benannten. In einem solchen Bezirt war der
Oberhofbauer der oberste Richter, Kriegsherr und Priester. In der
Nähe des Oberhofes befanden sich auch die Gerichts und Opfer—
stättten. In Zeiten der Gefahr diente der Oberhof als Zufluchtsstätte.
Er war daher mit einem breiten Wassergraben nebst Wall und Zaun
umgeben.
Nach den außerordentlich zahlreichen Funden auf dem Tegeler
Plateau und den Inseln im Tegelsee kann kein Zweifel darüber
bestehen, daß wir es hier mit einer verhältnismäßig umfangreichen
germanischen Niederlassung zu tun haben. Auch abgesehen von den
Funden könnte man geneigt sein, eine solche für selbstverständlich zu
halten, denn die Tegeler Gegend, der wildreiche Wald und der fisch⸗
reiche See mit seinen schützenden Inseln boten dem alten Germanen
alles, was zu seinen Lebensbedingungen und Gewohnheiten gehörte
im reichlisten Maße. Selten fanden sich von der Natur besser ge⸗
schaffene Anlagestellen für ihre als Zufluchtsorte bestimmten Oberhöfe,
als auf den Inseln des Tegelsees und auf der Tegler Dorstelle.
Es liegt sehr nahe, daß sich hier heidnische Opferstätten befanden und