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[Erstes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

gend. Dann starben die Eltern in der Oderstadt, er 
kam heim, um zu erben. Aber es war nichts da. 
Und weil er träge und eigentlich seßhaft war, blieb 
er in der erstbesten Stellung. Er war leichtsinnig, 
in der bösesten Art: mit seinem Leben, mit der Zu- 
kunft. Er baute nichts von dem aus, was er hatte und 
konnte. Er tat, was sich gerade bot. Dieser große 
starke Kerl war, abgesehen vom körperlichen Verlan- 
gen nach Tat und Arbeit, ganz passiv. Er jonglierte 
lachend mit Säcken, aber für sein Menschliches 
rührte er keinen Finger, Er blieb, vor dem eigent- 
lichen Leben, ahnungslos wie ein Kind. Schuldloser 
hat nie ein Mensch Leid und Jammer verschuldet... 
Er traf Perdita. O, nun war sie wirklich eine Ver- 
lorene ve. 
Nichts von ihren Kämpfen... 
Sie litt, daß er mit dem Hausmädchen sprach, 
und sie warnte sie vor ihm. Sie verging vor Neid, 
wenn er Sonntags das Haus verließ. Er schlief oben 
über den Ställen. Sie stand im Treppenhaus ihrer 
Villa, die das Grundstück nach der Straße abschloß, 
und sah über den Hof nach seinem Fenster. Manch- 
mal, erblickte sie ihn, wie er sich den Mehlstaub ab- 
Wusch, vom Kerzenlicht phantastisch beleuchtet, bald 
Silhouette, bald ein weißer Gott. Wenn er nackt war, 
bewegte er sich noch freier, wie in seinem Urelement, 
aus Verzauberung erlöst... 
„7
	        
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