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Band Sitzung 13, 24. März 1931

Volltext : Stenographische Berichte über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin (Public Domain) Ausgabe 1931 (Public Domain)

Außerordentliche  Sitzung  am  24.  März  1931.

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Vierteljahre  durch  Lohnabbau  etwa  8%  eingespart
werden  sollen.
(Bei  den  Kommunisten:  Hört,  hört!)
Das  wird  also  vorgeschlagen,  das  steht  schwarz
auf  weiß  im  Geschäftsbericht.  Weiter  wird  vorgeschlagen, 172
  daß  der  Anteil  zu  den  Beiträgen  für
die  Ruhegehaltskasse  für  den  Arbeitgeber,  also
für  die  Verkehrsaktiengesellschaft,  um  2%  gesenkt, 172
  für  die  Arbeiter  aber  um  2%  erhöht  werden
soll.
(Bei  den  Kommunisten:  Hört,  hört!)
Das  bedeutet  einen  Lohnabbau  von  10%.  Dieser
Lohnabbau  wird  in  einer  städtischen  Gesellschaft
durchgeführt.  Dieselben  Bestrebungen  sehen  wir
auch  bei  den  übrigen  Gesellschaften.  In  der  vergangenen 172
  Woche  wurde  im  Aufsichtsrat  der  Flughafen-G.
  m.  b.  H.  der  Vorschlag  des  Magistrats
behandelt,  daß  der  Flughafen  Johannisthal  nicht
durch  das  Bezirksamt  Treptow,  sondern  durch  die
Flughafen-Gesellschaft  bewirtschaftet  werden  soll.
Warum?  Weil  die  Bewirtschaftung  durch  die
Flughafen-Gesellschaft  sich  um  130  000  Ml  billiger
r  stellt  als  durch  das  Bezirksamt  Treptow.  Es  enti,.
  steht  also  —  ich  kann  die  Zahlen  nur  so  grob  aus
dem  Kopfe  nennen  —  zur  Aufrechterhaltung  des
Flughafens  Johannisthal  für  die  Stadt  Berlin  ein
jährlicher  Zuschuß  von  rund  173  000  Ml  gegenüber 172
  bisher  293  000  'Ml.  So  ungefähr  lauten  die
Ziffern.  Wie  schlägt  nun  die  Flughafen-G.  m.  b.  H.
vor,  diese  Ersparnisse  vorzunehmen?  Die  Flughafen-G.
  m.  b.  H.  sagt:  Wir  beschäftigen  dafür
Wohlfahrtsarbeiter.
(Bei  den  Kommunisten:  Hört,  hört!)
Durch  die  Beschäftigung  der  Wohlfahrtsarbeiter
ergibt  sich  eine  wesentlich  geringere  Summe  als
wenn  Stammarbeiter  beschäftigt  werden.  Wir
sehen  gerade  hier  ganz  offensichtlich  die  Berührungspunkte 172
  zwischen  Sozialdemokratie  und  Nationalsozialisten. 172
  Die  Nationalsozialisten  forderten
die  Arbeitsdienstpflicht,  als  sie  noch  im  Reichstage 172
  waren,  in  ihren  Anträgen  und  sonst  außerhalb
des  Reichstages  in  allen  ihren  Volksversammlungen. 172
  Die  Sozialdemokraten  führen  hier  in
Berlin  die  Wohlfahrtsarbeit  ein,  und,  um  die  preußische 172
  Regierung  aufrechtzuerhalten  —  das  ist  ja
*■  ihre  stärkste  Stütze  —,  stimmen  die  Sozialdemokraten
  für  den  Wehretat,  stimmen  die  Sozialdemokraten 172
  für  den  Panzerkreuzer.
(Bei  den  Kommunisten:  Sehr  wahr!)
Ich  bedauere  die  sozialdemokratischen  Redner,  die
jetzt  in  Versammlungen  den  Versuch  unternehmen,
diesen  Panzerkreuzer  zu  verdauen,  der  ihnen  wohl
sehr  schwer  vor  dem  Magen  liegen  bleiben  wird.
In  den  Ausführungsbestimmungen  der  preußischen 172
  Regierung  heißt  es  weiter:
„Ersparnisse  sind  an  vielen  Stellen,  auch
bei  der  Gesundheitsfürsorge  für  die  laufend
unterstützten  Wohlfahrtsempfänger,  möglich,
insbesondere  bei  der  Krankenhausfürsorge.  Die
Aufwendungen  der  Bezirksfürsorgeverbände  für
diesen  Zweck  übersteigen  die  entsprechenden
Aufgaben  der  Krankenkassen  oft  in  einem
solchen  Maße,  daß  der  Unterschied  nicht  nur
mit  sachlichen  Verschiedenheiten  erklärt  werden
kann.  Manche  Gemeinden  werden  insofern  von
den  Krankenkassen  lernen  können.“
(Bei  den  Kommunisten:  Hört,  hört!)
Die  sozialdemokratisch  verwalteten  Krankenkasse!) 172
  also  erbringen  den  Beweis,  wie  man  einsparen 172
  kann.  Dann  heißt  es  weiter:
„Gewisse  Ersparnismöglichkeiten  werden
auch  bei  den  Zusatzunterstützungen  für  solche

Erwerbslose  vorliegen,  die  noch  von  der  Reichsanstalt 172
  für  Arbeitslosenversicherung  und  -Vermittlung 172
  betreut  werden  oder  Krisenunterstützung 172
  erhalten.  Eine  Reihe  von  Gemeinden
beschränkt  sich  schon  jetzt  darauf,  diesem  Personenkreis 172
  nur  gelegentlich  mit  einmaligen  Beihilfen, 172
  nicht  aber  mit  laufenden  Zusatzunterstützungen 172
  zu  helfen.“
(Bei  den  Kommunisten:  Hört,  hört!)
Es  wird  also  der  Vorschlag  gemacht,  alle
laufenden  Unterstützungen,  alle  Extrabeihilfen,
alle  besonderen  Zuwendungen  überhaupt  fallen  zu
lassen,  und  der  sozialdemokratische  Antrag  bezweckt 172
  nichts  mehr  und  nichts  weniger  als  die
Gleichmachung  des  Elends.  Er  beabsichtigt,  daß
die  Unterstützungsrichtsätze  durch  die  sogenannte
individuelle  Prüfung  ersetzt  werden.  Individuelle
Prüfung  bedeutet,  daß  man  feststellt,  ob  nicht  noch
in  der  Familie  ein  mitverdienender  Angehöriger
ist,  und  ich  kenne  gerade  die  Beratungen  in  allen
entscheidenden  Körperschaften.  Frau  Todenhagen,
die  als  Vertreterin  der  Sozialdemokratischen  Stadtverordnetenfraktion 172
  gesprochen  hat,  ist  auch  in
dem  zentralen  Beirat  der  Fürsorgestelle  für
Kriegsbeschädigte.  Wir  hatten  gestern  im  Beirat
des  Bezirks  Mitte  ebenfalls  zu  einem  Falle  Stellung
zu  nehmen,  der  von  der  Hauptfürsorgestelle  im
Aufträge  von  Frau  Todenhagen  —  wovon  ich  mich
durch  deren  Unterschrift  überzeugt  habe  —  abgelehnt 172
  wurde.
(Bei  den  Kommunisten:  Hört,  hört!)
Die  Fürsorgestelle  im  Bezirk  Mitte  hatte  einem
Kriegsbeschädigten  in  Anbetracht  seiner  schlechten
wirtschaftlichen  Verhältnisse,  in  Anbetracht  seiner
großen  Notlage  vor  einigen  Monaten  nahezu  einmütig 172
  eine  besondere  Unterstützung  bewilligt.
Frau  Todenhagen  hat  als  Mitglied  des  Beirats  —
wie  ich  mich  ganz  vorsichtig  ausdrücken  will  -—
mit  unterschrieben,  daß  dieser  Beschluß  nicht
durchgeführt  werden  soll,  daß  also  die  Hauptprüfungsstelle 172
  sich  dem  Standpunkte  des  Beirats
nicht  anschließen  kann.  Sie  sanktioniert  also  den
Standpunkt  des  Sparkommissars,  des  Dezernenten
im  Bezirk  Mitte,  und  es  wird  gerade  von  dem
Dezernenten  immer  auf  die  Richtsätze  Bezug  genommen. 172
  Mit  den  Richtsätzen  erschlägt  man  jeden
Erwerbslosen.  Man  holt  die  Richtsätze  vor  und
stellt  fest:  Der  Richtsatz  ist  überschritten,  wir
können  also  nicht  mehr  zahlen.  Wenn  vielleicht
gesagt  wird,  daß  der  Richtsatz  nicht  der  Höchstsatz 172
  ist,  daß  über  den  Richtsatz  hinausgegangen
werden  kann,  so  ergibt  die  Praxis  —  hier  spricht
also  nicht  die  Theorie  —,  daß  die  Richtsätze  dazu
geschaffen  wurden,  um  alle  Unterstützungsanträge
mit  der  Einwendung  ablehnen  zu  können:  Der
Richtsatz  ist  überschritten.
(Bei  den  Kommunisten:  Sehr  wahr!)
Wenn  nun  Frau  Todenhagen  sagt,  daß  ich  von
Erwerbslosen  gesprochen  habe,  während  es  sich
um  Unterstützungsempfänger  dreht,  so  will  ich
hier  mit  Frau  Todenhagen  nicht  einen  Streit  um
Worte  führen.  Es  ist  doch  bekannt,  daß  Erwerbslose, 172
  die  keine  Unterstützung  mehr  erhalten,  die
überall  ausgesteuert  sind,  die  aber  noch  erwerbsfähig 172
  sind,  Wohlfahrtsunterstützung  bekommen.
Entspricht  das  den  Tatsachen  oder  nicht?
(Stadtv.  Frau  Todenhagen:  Ja,  Wohlfahrtsunterstützung!) 172

Aber  sie  bekommen  Erwerbslosenunterstützung.
Ich  kenne  eine  Reihe  von  Erwerbslosen,  die  man
gestrichen  hat,  weil  sie  dem  Arbeitsnachweis  nicht
            
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