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[Viertes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

das sind Männer, die nicht in Betracht kommen. Und 
ein Mann, der nicht als Mann in Betracht kommt —** 
Sie hatte die Augen geschlossen. In meiner Weltblind- 
heit sah ich doch sie, die im unendlich Blauen wiegte. 
„Wenn ich nicht Lilian zu sein verdammt wäre, 
möchte ich — möchte ich — - 
Sie summte es leise vor sich hin, sie sprach gar 
nicht zu mir. 
ic 
„Schön ist sie. Wie Seide. ‚Seide‘ ruft sie Thomas. 
Er liebt sie ganz richtig, doch er könnte sie heute ver- 
schenken... Ja — — Rosen brach ich nachts — —“ 
Und sie flüsterte im Halbgesang die ganze Sapphi- 
sche Ode... 
Plötzlich sah sie mich voll an... 
„Doch verstreuten reich die bewegten Äste 
Tau, der mich näßte...‘‘ 
Sie liebte mich... 
Sie sah mich voll an... 
Weißt du denn nicht? Siehst du denn nicht? 
Lechze ich denn nicht nach dir? Komm doch! Da 
bin ich ja. Ich — Für dich — Mein Geliebter... 
Da lag ich ihr zu Füßen. Der Stuhl hielt an. Ich 
beugte den Kopf, meine Stirn berührte ihr Knie. Ich 
berührte zum ersten Mal: Frau... 
Sie sagte leise: 
„Auch der Küsse Duft mich wie nie berückte, 
die ich nachts vom Strauch deiner Lippen pflückte; 
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