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[Viertes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

Noch vor diesem bösen Tage hatte ich die Begeg- 
nung mit Thomas Falk. Seit meinem Besuch bei 
Henny hatte ich ihn nicht mehr allein gesehen. Er 
kam nicht mehr in unsere Buchhaltung und ließ mich 
nie rufen, um eine Auskunft zu erhalten. Offensicht- 
lich wich er mir aus. Das paßte gar nicht zu seinem 
Charakter, aber vielleicht hatte Henny ihn darum 
gebeten. Sie schrieb mir, so liebe Briefe. Von einer 
zweiten Schweizer Reise. Einmal aus Paris. Ich war 
für sie die Heimat, das Mütterliche. Jetzt — da es ihr 
gut ging — brach ihr Wesen durch, ihr gütiges zärt- 
liches Wesen, ihr kindhaftes Zutraulichsein. Sie fühlte 
sich geborgen, der Kampf ums Dasein war ausge- 
kämpft, und siegreich konnte sie nun wahrhaft sie 
selhst sein. 
Nun schickte mich eines Tages der erste Buch- 
halter zu Herrn Falk, schon gegen Büroschluß. Ich 
sollte ihm eine Aufstellung zeigen, demonstrieren. Ich 
machte den Versuch, es auf ihn selbst abzuschieben, 
aber es durfte nicht allzu auffällig sein. Ich ging. 
Thomas schrieb, allein in dem kleinen quadrati- 
schen Raum, der ganz voll gehängt war von spani- 
schen Ansichten. Granada, Toledo, Sevilla, Tarragona, 
Cadix, herrliche große Aufnahmen, die sein Vater 
gesammelt und um sich versammelt hatte. Wenn man 
vom Schreibtisch aufsah, fiel der Blick auf die Moschee 
von Cordoba. In Cordoba war der junge Thomas, 
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