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[Viertes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

OÖ, mein Mark, mein Jüngster, mein verlorener 
Sohn... Ich, ich ließ dich verloren gehen... 
Während ich überlegte, wie ich die Abende geld- 
bringend ausnutzen konnte, fiel mir ein: warum nicht 
mit meinen Kunststücken Geld verdienen?... Ich 
hatte immer wieder auf unserm Hof den Leuten des 
Hauses vorgespielt, es hatte sich herumgesprochen, 
aus andern Häusern kamen Kinder geschlichen, blei- 
che Frauen drückten sich in den Torweg, Arbeitslose 
hockten in der Ecke, Und ich unterhielt sie. Ich redete 
auch dazu, wo die Requisiten fehlten, malte ich mit 
kurzen Worten die Situation, ich flocht ein gängiges 
Couplet ein. Es war nichts los mit meiner Stimme, es 
war überhaupt keine da, aber das paßte zu den rüden, 
kessen Texten. Ich erfand selbst Strophen, im Ber- 
linischen Jargon, das verstanden sie am besten, da 
hörten sie sich selbst, erkannten sich. Und dazu 
Spielte ich mimisch wie ein Besessener, Ich war wirk- 
lich beseasen 
Jetzt beschloß ich einfach, damit regelrecht auf- 
Zutreten,.. Ich studierte mir sechs Szenen, stumm 
ürei und drei mit Text, fest ein und brach auf. Ich 
Sing in alle Kabaretts der Gegend, ich ging in die 
Kinos mit Bühnenschau, verlangte die Direktoren, 
War nicht schüchtern und probierte ihnen auf der 
Stelle, ob sie wollten oder nicht, etwas vor. Ach, ich 
hatte es mir gar zu leicht gedacht... 
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