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[Drittes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

von mir saßen in engen Mänteln, mit manikürten 
Händen, gepudert, in amerikanischen Autos. Mütter 
begannen ihre Kinder abzuschätzen. Wir hungerten..- 
Um einen Hering zu bekommen, drängten sich ver- 
wahrloste Frauen stundenlang vor den halbleeren Lä- 
den. Alle bettelten alle an. Sie zogen in den Westen 
und durchstöberten dort die Müllkästen nach eß- 
barem "Abfall. Man bekam Lebensmittelkarten und 
konnte sie nicht einlösen. Kunsthonig war Himmels- 
gabe, ein Endchen Ziegenwurst war ein Jahr dieses 
Lebens wert. 
Ich war an einem Sonntag mittag bei Nina Falk. 
Wir hatten uns sattgegessen, ich hatte in Stefans Schul- 
bücher, herzklopfend, gesehen, er hatte Geige ge- 
spielt, er spielte schon wie ein Künstler, und er hatte 
mir die Notenblätter gezeigt, von ihm beschrieben, 
unausführbare Symphoniesätze, ein Lied nach Rilke- 
schem Text. Ich fuhr, um daheim noch vieles zu er- 
ledigen — ich besorgte ja die Wohnung allein, unser 
Essen; Mark erledigte die Besorgungen — früh nach- 
mittags heim. 
Ich bekam ein kleines Gehalt in der Fabrik, trotz 
meiner Anfängerschaft, auf Frau Ninas Anregung- 
Von ihr bekam auch Mark ein sogenanntes Taschen- 
geld — sie wußte, ich hätte es nicht genommen —; 
aber es wurde mir ausgezahlt. Mark brachte oft Geld 
nach Haus, ich merkte nie, daß er viel für sich be- 
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