„Mich hungert —’
Das Mädchen stieß einen Laut aus. Sie griff in
ihr Täschchen und drückte mir ein großes Geldstück
in die Hand. Sie duftete so schön, wie ich es
noch gar nicht kannte, wie eine fremde Blume. Ich
kannte damals nur Fliedern und Astern, die gab es so
billig auf den Wagen zu kaufen, und Mutter hatte
schon zweimal solche Blumen mitgebracht.
Aber wie sie gerade mit mir sprechen wollte, ging
drüben ein Herr vorbei. Da sprang sie auf und lief
hinüber und sprach mit ihm, und sie gingen zusammen
weiter. Sie sah gar nicht mehr nach mir
zurück.
Ich wollte gerade wieder einschlafen, da tauchte
tief in der Straße ein kleiner Schatten auf. Eine
kleine Frau lief da von einer Seite auf die andere.
Ich wußte sofort: die Mutter...
Sie suchte mich — Und ich wollte aufstehen,
aber ich konnte nicht. Ich drückte den Hut an mich
und warf das große Geldstück hinein und wollte
schreien:
„Mutter! Mutter!“
Aber ich konnte auch nicht schreien. Ich flü-Ssterte:
„Mutter! Mutter!‘
O, wenn sie mich nicht hörte und vorbeilief und
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