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[Erstes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

Vielleicht saß da der Vater drin, und der Bursche 
war sein Freund und spendierte ihm eins — von 
dem Gelde, das ich für Vatern erbettelt hatte. Vater 
trank und hatte mich vergessen... 
So, im Halbschlaf, begann ich, die anbetende, hilf- 
lose, demütige Liebe zu meinem Vater zu verlieren. 
Ich begann zu leben, indem mein Dasein verarmte. 
Ich erwachte noch einmal. Um zehn Uhr. Als die 
Haustür zugeworfen und kreischend zugeschlossen 
wurde, Niemand hatte mich entdeckt. Es fiel von den 
Laternen kein Licht in meinen Winkel. 
Wie spät war es? Ich erwachte, die Straße war 
ganz leer, fast trocken, Wind ging, es regnete nicht 
mehr, ich sah empor — in eine funkelnde Schwärze, 
ich wußte nicht, wo ich war. Was hatte mich ge- 
weckt? Stand nicht die Mutter über mir? 
Mein Herz hatte ihren Ruf vernommen, der mein 
Ohr noch nicht erreichte, Ich lag im Torweg, ich 
hielt den Hut an mich gedrückt, in dem es wieder leise 
klang. Ich sah die Straße hinauf — Mädchen stan- 
den da, allein, zu zweien. Eine ging langsam vorbei. 
Sie entdeckte mich und hockte sich gleich zu mir 
nieder. 
„Aber Kindchen,‘“ sagte sie, „was machst du denn 
da? Bist du ausgeschlossen? Wohnst du hier?“ 
Ich flüsterte — das einzige, was ich wußte und 
durfte: 
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