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[Drittes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

mehr an Stefan, und Frau Nina schickte ganz selten 
ein Paket. Auch im Gebirge ging es schlecht. Wenn 
der Wind von Westen stand, schrieb sie, hörte sie 
immer noch die Kanonen des Krieges. Und sie 
konnte sie nicht mehr hören. 
„Mein Mann schreibt selten,‘ schrieb sie zum 
Schluß. „Es sieht nicht gut bei den Unseren aus. Gott 
steh uns bei.“ 
Ich sollte eingesegnet werden, Alles war unwichtig. 
Der Krieg spielte auch keine Rolle mehr. Wir hatten 
den Tod im Hause, den bittersten, den schleichenden. 
Draußen war doch der rasche, der plötzliche. Aber 
da dachte ich an die Lazarette, was ich daraus gehört 
hatte. 
Aus unserm Haus war eine junge Frau nach Köln 
Sefahren, man hatte ihr mitgeteilt, daß ihr Mann 
dort im Lazarett lag. Sie kam nie mehr zurück — 
Später hörten wir: sie hatte ihn mühsam gefunden 
und sich mit Gewalt Eingang verschafft. Ein gut- 
Mütiger Pfleger hatte sie hineingeschmuggelt, weil 
der Mann Tag und Nacht nach ihr rief. Sie kam 
nachts, in dreißig Betten wanderten Augen mit ihr 
den schmalen Gang zwischen ihnen entlang, das war 
das letzte: dreißig junge Männer konnten nur noch 
sehen, nie mehr gehen, nie mehr Arme heben, sie 
waren Rumpf. 
Und ihr Mann sah sie nicht einmal, er war blind 
3 
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