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[Drittes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

neue erbat. Dann stand sie mitten im Zimmer und sah 
sich um wie eine Fremde. 
Auch Dianas Zimmer wurde nie mehr betreten. 
Manchmal drückte ich mich an die Tür, atmete an 
den Ritzen den immer schwächer werdenden Reseda- 
duft ein und verlor mich in bildloses Träumen, das 
nicht mehr schmerzhaft war. Ich entdeckte, daß Trau- 
rigkeit eine Lust sein kann und Resignieren ein süßer 
Rausch. 
Der älteste Sohn des Hauses, Thomas, der eine 
englische Schule besuchte, hatte nicht mehr heim- 
kommen können. Jetzt war er in einem Konzentra- 
tionslager drüben, und von Zeit zu Zeit kam ein Brief 
von ihm durch Vermittlung des Roten Kreuzes. Er 
schrieb, es ginge ihm gut. Aber das konnte Vorschrift 
sein. Nina Falk saß über diesen Briefen und ihres 
Mannes kurzen Karten stundenlang gebeugt, ohne sie 
zu lesen. 
Wir durften sie bisweilen an Dianas Grab beglei- 
ten. Wir fuhren, sie und wir drei Kinder, nicht mehr 
im Landauer, sondern in der Elektrischen. Ja, auf 
ihrem Kreuz stand Diana Fiori, sie war jungfräulich 
Zeblieben. Eine Bank war da, wir saßen stumm, nur 
Lilian, unangefochten, bewegte sich rastlos und be- 
sah sich die Gräber. Nichts hatte Schrecken für sie, 
höchstens ich, der Junge aus der andern Welt. Sie 
fürchtete mich mehr als die Toten... 
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