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[Drittes Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

Dann, schließlich, gestand Henny. Sie kam von 
selbst. Sie konnte wohl lügen, aber nicht lange. Ja, 
also sie hatte Vater am zweiten August gesehen, sie 
war, zusammen mit Olga Reschke, zur Gräbert ge- 
gangen. Da stand er in Uniform, großartig, vom gan- 
zen Hause umringt, von allen Frauen angeblitzt. An- 
dern Tags, früh um vier, sollte er fort. 
Er hatte noch zu uns kommen wollen, erzählte er 
Henny. Aber jetzt, wo er ihr Adieu sagen konnte, 
konnten wir ihm gestohlen bleiben. 
„Brauchst niemanden zu jrüßen,‘“ hatte er gesagt. 
„Muttern nich, wenn se ooch ne jute olle Haut is! 
Und ooch de Tranfunzel nich, de Suse, den Theodor, 
un’n Strohkopp, de kesse Kulpsnese, ooch nich. Bloß 
dir hat Vater lieb. Komm her, mein Engel. Wenn ick 
wiederkomme — Na, was ick dir mitbring! den 
scheensten Pariser!“ 
Über diesen Witz kam die ganze Grüntalerstraße 
ins Gröhlen. Die Frauen rissen sich ihre Filzpan- 
toffeln vom Fuß, klatschten sich auf die Schenkel 
und brüllten vor Lachen, 
„Pariser hat ’r jesacht! So ’n Junge! Der is uff 
’n Sonntach in Paris!“ 
Aber der schöne Georg schob jetzt alle fort, auch Hen- 
ny, nahm seine Luise untern Arm und zog mit ihr ab. 
„Nu jebt Ruhe!“ rief er. „Un laßt mir noch mal! 
Wer weiß, wie lang ’s dauert, bis ick wieder 
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