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[Zweites Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

Der Schutzmann erreichte, daß geöffnet wurde... 
Die Dame flog ans Fenster, und ich weinte, wie ich sie 
über den leblosen Katzen schluchzen sah, die sie an 
ihre Brust drückte. Heut hatte die eine wirklich 
ausgelitten — Ihre schwarzen Augen, nur noch Pu- 
pille, schrien lautlos einen unfaßlichen Jammer in 
die Menschenwelt. 
Ach du unglückliche Kreatur, die dem Menschen in 
die Hände gerät! 
Die böse Alte lief am nächsten frühen Morgen 
die fünf Treppen zum Boden hinauf und sprang von 
da in den Hof... Man hörte den Idioten an seinem 
Fenster gellend lachen und Schmutzworte hinabspeien, 
und als man sich aus den Fenstern bog, sah man, 
daß er sich so sehr über das Kleiderbündel unten 
freute, das seine Mutter war... 
Zur selben Zeit ging überhaupt der Tod im Hause 
um. Vorn hatte sich die sechzehnjährige Tochter vom 
Uhrmacher Nachtlicht in ihren möblierten Herrn ver- 
liebt, einen eleganten jungen Mann, der Kellner im 
Restaurant vom Baltic-Hotel war. Der verschwand eines 
Tages, und es stellte sich heraus, daß er einem Gast, 
einem Schweden, die Brieftasche aus dem Mantel 
gestohlen hatte und mit ihr — sie enthielt über 
Zwanzigtausend Mark — geflüchtet war. Die junge 
Resi ertränkte sich im Tegelersee, eines Sonntags, 
Während die Eltern ihr Bier tranken. Sie wurde schnell 
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