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[Zweites Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

„Du bist ja schmutzig, junger Herr,‘ sagte sie. 
Und jetzt war es auch wieder ihre &arte, helle, spöt- 
tische Stimme. O, ich hatte geträumt... „Du hast 
dich nicht gewaschen, du hast meinen Handschuh be- 
fleckt. Also sei bedankt, jedenfalls, mein lieber 
Schwan. Solche Flecken wäscht man ab. Es gibt an- 
dere, die gehen nur durch Blut fort... Weißt du, 
was Blut ist? Aber ja! Deine Narbe im Gesicht. Von 
deinem schönen Vater.‘ 
Und sie sprach dieses „schön“ so aus, daß ich er- 
schauerte... Als sähe ich eine nackte Schönheit leib- 
haftig vor mir... 
„Ich weiß alles, kleiner Tugendhammel. Dank für 
deinen männlichen Schutz.“ 
Sie hatte noch nie so viel zu mir gesprochen. Ich 
hielt den Kopf gebückt, als schlüge sie mich. So emp- 
fand ich auch. Es war schmerzhafter als Vaters Feuer- 
zange... Und mein Herz trug von ihrem Wort tiefere 
Narbe als mein Gesicht von Vaters Stiefel... 
„So, jetzt überlasse ich dich deinem Schutzengel, 
Theodor. Theodor — Heißt das: Geschenk von Gott? 
Oder; Geschenk an Gott? — Bist du ein kleiner 
Gottesmann?... Sieh mich an!“ rief sie. 
Und sie streckte wieder ihren Zeigefinger nach 
Meinem Kinn aus, um den Kopf zu sich emporzuheben, 
Mit dieser trägen, sich ein wenig ekelnden, herrscher- 
haften Gebärde. 
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