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[Zweites Kapitel]

Full text: Mich hungert / Fink, Georg (Public Domain)

Es klopfte. Fräulein Diana kam herein. Mit Briefen. 
„Ah, da ist ja das Genie,‘ sagte sie in der gewohn- 
ten spöttischen Weise. Und indem sie mich ansah, 
ohne Lächeln, fuhr sie — für Herrn Falk — fort: 
„Ich nahm dem Postboten die Briefe ab. Bitte.“ 
Sie reichte sie ihm, ohne hinüberzusehen. Und ich 
wunderte mich, daß er so langsam zugriff. Aber er 
sah sie an, er war bräunlich blaß, und ich entdeckte, 
daß seine Augen heller waren als seine Haut; das gab 
ihm das seltsame und jugen“ ”., *ussehen. Er sah 
sie fast an, als wäre sie ein 77-0727 CO sie schön 
war” aber sie war berausch.- ”- für mich, 
schon für mich. Ihre Nähe, ihre bloße Ahnung legte 
einen Bann auf mich. Wenn ich dieses Haus, in dem 
ich sie wußte, nur betrat, befichl mich eine süß-bange 
Lähmung, und meine Knie wurden schwach. Oft, mit 
Stefan und Lilian mit unsagbar wunderbarem Spiel- 
zeug beschäftigt, lauschte ich hinaus, auf die Treppe, 
ob ihr Schritt nicht käme. Aber ich begegnete ihr 
immer nur durch Zufall, sie kam nie zu uns, sie 
sprach nie allein oder ernsthaft zu mir. 
Sie sagte auch jetzt: 
„Wie geht es dem jungen Herrn? Wie gefällt es 
ihm bei der besitzenden Klasse? Wird er nicht Scha- 
den nehmen an seiner Seele? Kleine Mimose, wie ver- 
trägst du unsern Boden?‘ 
Ich wußte ihr niemals zu antworten... 
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