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16. Kapitel

Full text: Mammon / Edel, Edmund (Public Domain)

Die Räder tanzen auf der Straße, Staubballen türmen 
sich in den Ather — — — 
Hilde atmet mit Behagen. Sie überläßt sich einlullender 
Schläfrigkeit, die sie zwischer Wachen und Träumen hält. 
Wie im Nebel ziehen Felsen, verfallene Burgen, Weinberge, 
die den Rhein umsäumen, an ihr vorüber. 
Irgendwo in einem Gasthof nimmt sie eine Mahlzeit ein. 
Mechanisch. Um dem Chauffeur zu Willen zu sein, der Hunger 
hat. Sie selbst ist stumpf gegen alles physische Gefühl. Sie 
denkt nur, ob Berkholdt kommen werde ... 
Während der langen Fahrt kehrt der Gedanke immer wieder, 
was sie tun sollte, wenn Berkholdt den Schlingen dieser Ameri⸗ 
kanerin nicht entschlüpfen konnte ... 
Wie eine Schlange, die langsam mit kaltem, glitschigen 
Körper den Hals zudrücken will, schüttelt sie den Gedanken 
von sich — — — 
Allmählich beruhigen sich ihre Nerven. Die Kaltblütig— 
keit, mit der sie dem Leben gegenüberzutreten gewohnt ist, hat 
wieder Gewalt über sie bekommen. Sie überlegt alle Einzel⸗ 
heiten der Angelegenheit, die seelischen Momente von den ge⸗ 
schäftlichen trennend. Und sie kommt zu dem Entschluß, daß 
sie mit starker Hand zugreifen müßte, wenn es noch etwas zu 
retten gäbe ... 
Als sie am Nachmittag in Frankfurt anlangte, wartete 
Berkholdt bereits im Hotel. 
„Was schaukelst du bloß in der Weltgeschichte umher?“ 
fragte er, seinen Ton auf Jovialität stimmend. 
Aber er wurde ernst, da er das Flackern in Hildes Augen 
gewahrte, da er empfand, daß es nicht Eifersucht allein sein 
konnte, die Hilde hinter ihn hergejagt hatte. 
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