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14. Kapitel

Full text: Mammon / Edel, Edmund (Public Domain)

14. Kapitel 
Auf der Drehscheibe des Lebens wirbelt er Staub auf) 
Mutter Auguste hatte das viele Knallen und Schießen 
um den Alexanderplatz herum satt bekommen. Diese Gegend, 
einst der Tummelplatz ihrer Jugend, umrahmt von bürger⸗ 
licher Romantik, war der Hort der unruhigen Bewegung ge⸗ 
worden, über die Mutter Auguste nur ein Achselzucken hatte. 
Ihr gefiel das Neue nicht, das die Menschen mit einem 
Schlage geschaffen zu haben behaupteten. 
„Nee — früher war's schöner ...“ war ihre immer wieder⸗ 
kehrende Klage. 
Anton, auf der Welle der Begeisterung reitend, hatte plötz⸗ 
lich sein soziales Gewissen entdeckt. Er versuchte vergeblich 
seine Lebensgefährtin über Menschengleichheit, Sozialisierung, 
Rechte des Proletariats, Schlagwörter, die er in den von ihm 
besuchten Versammlungen aufgeschnappt, aufzuklären. Au⸗ 
guste kam mit allen diesen modernen Sachen nicht mit, und 
wenn es sich um Kapital handelte, erst recht nicht. 
„Du willst dir wohl von die Brüder dein schwer verdientes 
Geld wegnehmen lassen — — was?“ Anton tat einen mäch⸗ 
tigen Zug aus seiner Zigarre, deren Format zwar an die ehe⸗ 
malige Sechserausgabe erinnerte, deren Füllung jedoch nicht 
mehr in der Uckermark gewachsen war. Er lächelte, indem er 
seinen Mund weit nach oben zog, so daß die dicke Nase sich 
kräuselte. Der Ausdruck der geistigen Erhabenheit trat auf sein 
Gesicht. Er wußte, daß er mit dieser Miene immer Eindruck 
machte, früher, wenn er in der Blumenstraße seinen Gehilfen 
Caprivis Politik auseinandersetzte, oder damals, da er vor dem 
Hause im Westen die Entwicklung der Ereignisse prophezeite. 
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