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1. Kapitel

Full text: Mammon / Edel, Edmund (Public Domain)

Doktor Norden kam nicht dazu, über diese Ironie aller 
Ironien nachzudenken, denn der Kommerzienrat begann zu 
schildern. Mit lustigen, schnoddrigen Worten skizzierte er ein 
Bild der Frau Hollmann. 
„Die Hollmannschel — — Mensch, ein Typ: Mittelding 
zwischen Zille und „Elegante Welt“. Hat'n Heißhunger nach 
Büldung und Feunheit ....“ 
Er lachte das wiehernde Lachen der Überlegenheit. 
„Also die Frau hat den Kauftriesel. Außerdem scheint sie 
in ihrem Haus einen Mieter zu haben, der ihr die Antiqui⸗— 
täten eingeredet hat .....“ 
Aha, denkt Doktor Norden, das bin ich — — oder viel⸗ 
mehr Frau Mittrich, meine Wirtschafterin .... 
„Es ist nun heute das drittemal, daß ich die Ehre hatte, 
Frau Hollmann nebst Mann und dicker Zigarre bei mir zu 
sehen. Aber was sie sich dieses Mal geleistet hat, Doktor, da⸗ 
raus machen Sie'n Feuilleton....“ 
Doktor Norden kannte die Veranlagung des Kommerzien⸗ 
rats, der außer mit alten Möbeln und Objets d'arts auch mit 
merkwürdig und phantastisch aufgeputzten Geschichten handelt, 
die er allerdings billiger an den Mann bringt, als obenge⸗ 
nannte Möbel und Kunstgegenstände. 
„Erst kauft die Hollmannsche einen Gobelin für 150 
Mille ..... mich hat er gerade 7000 Mark gekostet. Aber 
warum sollte ich ihn billiger verkaufen? Ich wette, die gute 
Madame hätte ihn dann gar nicht genommen, nicht wahr? ... 
Aber nun kommt der Clou: Sie will eine echte Tzeitsegar⸗ 
nitur .... Ich zerbreche mir den Kopf, was das sein soll ... 
zeige ihr alle meine Möbel, sie sagt immer: „nee, das is er 
nicht!“ Endlich stoße ich im zweiten Stock auf ein Sopha und 
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