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Veilchen

Full text: Großstadtgeschichten / Baluschek, Hans (Public Domain)

Herr Gräbert verneigte sich kurz — mit den 
Hacken klappend. 
Er öffnete die Tür zum Flur und winkte mit 
leisem Pfiff hinaus. 
Eine andere Tür wurde geöffnet, man hörte 
Stimmen durcheinander, dann kam ein Getrappel 
und Gestampfe, die Stimmen verstummten. Vor 
dem Eingang drängte sich eine Anzahl von ab— 
gerissenen, elenden Gestalten. Keiner wagte ein- 
zutreten. 
„Erst die Dame, bitkte!“ rief Herr Gräbert 
jovial. 
Es stieß und schob sich draußen: „Na man 
los! Nach vorne mit die Ehrenjumpfa! — Hopsa, 
Emmy, hoch das Bein!“ so rief es halblaut, lachend, 
grunzend, brummend durcheinander. 
Endlich trat von hinten nach vorn eine große 
Weibsfigur und kam langsam in das von warmem 
Licht durchstrahlte Zimmer. Hinter ihr wackelte, 
tappste, schlurfte und stolperle das Mannsvolk — 
elf miserable Kerls jeden Jahrgangs. Alles Land⸗ 
streicher reinsten Thyps — pfiffige, haarige Visagen, 
rote Nasen, schwimmende Aeuglein — bis auf zwei, 
die mir auffielen — einen ganz jungen Menschen 
mit allen Zeichen des Tuberkulosen — seine 
Schultern hingen, sein Hals ragte beängstigend 
dünn und lang aus einem violetten Halstuch, seine 
Brust flog in kurzem Atem, sein großes Auge zeigke 
schon jene verklärte Schönheit der letzten Stadien 
— und dann war noch ein ganz alter da — hager, 
faltig, gelblich blaß, ohne Haar auf dem Kopf, und 
ohne Bart, ohne Augenbrauen; seine Vase, dünn 
und wächsern, schwang sich wie ein Schnabel, seine 
weißblauen Augen standen scharf; er sah aus wie 
ein Geier. 
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