Path:
Tutti - Trudchen

Full text: Großstadtgeschichten / Baluschek, Hans (Public Domain)

„So — so! Davon hat er mir aber nichts er⸗ 
zählt!“ 
„Nee, wirklich nich?“ Sie lachte hell, dann sah 
sie mich etwas scheu an. — „Und dann habe ich ihn 
zum Kaffee eingeladen auf Monkag in der Oster⸗ 
woche — weißte? — da dürfen wir doch nich singen! 
Ich hab' ihm gesagt, du wirst auch dabei sein — 
wa?! Da kannst du dir auch das Kind ansehn — 
das is so niedlich!“ 
„Hm! — Schön! Trudchen! — Aber dann sind 
doch zwei „Männlein“, wie Du immer sagst, und 
nur ein Mädel! — Du weißt doch vom Freitag, wie 
schlecht das manchmal ist! — Kannst Du nich noch 
'ne Freundin einladen?“ 
Trudchen legte den niedlichen Zeigefinger an 
die Vase. 
„Vielleicht die Mieze!“ sagte sie halblaut vor 
sich hin. 
„Herrjeh!“ rief ich vergnügt. „Gibt's die noch?! 
Ich wollte dich immer schon mal fragen, aber du 
sprachst niemals von ihr, und ich hatke auch nie Zeit 
dazu! Geht's denn?“ 
„Ich wer' ihr schreiben!“ sagte sie wichtig. „Die 
hat jetzt nen Schatz — 'nen ganz reichen! — Sie 
singt nicht mehr; er hat ihr frisieren lassen lernen!“ 
„Sie! frisieren — lernen — lassen, Trudchen!“ 
„Sie!! — frisieren — lernen — lassen!!“ wie- 
derholte sie langsam. „Danke schön!“ sagte sie 
schnippisch, ihre gute Laune war augenscheinlich weg. 
Mir fiel es zum ersten Wale auf, daß sie falsch 
gesprochen hakke. — — 
Ich brachte sie kühl nach Haus. — Ich mußte an 
Alfreds Liebenswürdigkeiten denken und an Trud- 
chens Einladung zum Kaffee — in die ich erst nach- 
her mit einbegriffen wurde. Hätte ich sie heuke 
36
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.