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Der Kompaß

Full text: Das Sling-Buch / Sling (Public Domain)

Der Kompaß 
„Merkwürdige Erziehungsmethoden hast du ja — erziehst 
du deine Kinder auch so —7 
„Nein, ich bin dazu nicht reich genug. Aber meine Frau 
mich.“ 
„Dich?“ 
„Ja, jedesmal, wenn ich was verliere, kauft es mir meine 
Frau neu. Und das bewährt sich. Sie weiß, wie sehr ich dar⸗ 
unter leide, wenn ich ein Geschenk von ihr verliere. Sie will 
nicht, daß ich leide. Außerdem verliere ich nie etwas ein zwei⸗ 
tes Mal. Denn der zweite Gegenstand kommt in ein beson⸗ 
deres Schubfach meines Sekretärs, da liegt er sicher und wird 
nicht mehr angerührt. Es ist jetzt eine ganze Sammlung bei⸗ 
einander: ein Füllfederhalter, ein Zigarettenetui und vor allem 
das Familienerbstück: ein goldener Zahnstocher — kurz alles, 
was ein Mann dringend braucht.“ 
„Aber kein Kompaß?“ 
„Nein —' sagte ich beschämt — „ich hatte mir zwar mal 
einen gewünscht, aber meine Frau meinte: ‚Wozu brauchst du 
einen Kompaß? Und da mußte ich ihr recht geben. Wir schwie⸗ 
gen. Alix sah sich öfter vergebens nach ihrem Manne um. Ich 
bemerkte, sie wurde nervös. 
Was sagst du zu meinem Mann?“ 
„Ein reizender, ein vortrefflicher Mensch.“ 
„Das weiß ich, aber kannst du dir vorstellen, daß er jetzt 
den ganzen Sand am Meer absucht, um den Kompaß wieder⸗ 
zufinden ? 
„Hm —“, sagte ich. 
„Weißt du, ich will mich durchaus nicht über meinen Mann 
beklagen. Er ist gewiß nicht geizig, er ist sogar großzügig. 
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