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Der lächelnde Portier

Full text: Das Sling-Buch / Sling (Public Domain)

Der lächelnde Portier 
Der Buchmacher spuckte kräftig aus und fing gleich an zu 
schreien: Diesem Proleten keinen Pfennig: Ungehobelter Patron! 
Auch noch das Geld in den Rachen werfen! 
Der russische Emigrant, der Bankfilialvorsteher, das allein⸗ 
stehende adlige Fräulein traten für den Portier ein. Aber die 
geschiedene Doktorsfrau sagte: 
„Ich sehe auch nicht ein, daß man dem Mann noch was 
extra geben soll.“ 
Hat er sich denn gegen Sie unziemlich benommen?“ fragte 
man sie. 
„Unziemlich kann man nicht sagen. Aber wenn ich ihn was 
frage, dann gibt er mir nur ganz kurz Antwort.“ 
Jemand sucht zu beruhigen: „Aber sehen Sie, gnädige 
Frau, Sie fragen heute nach der Warmwasserheizung, aber 
Sie doch nicht allein. Da kommen alle zwanzig Mieter, und 
zwanzigmal muß er dasselbe antworten.“ 
„Dazu ist er doch da!“ schreit der Buchmacher. 
„Uberhaupt, der Mann verdlent ein fabelhaftes Geld in der 
Fabrik —“ röchelt der alte Rechnungsrat. 
Er grüßt allerdings auch nicht sehr freundlich“, sagt das 
alleinstehende adlige Fräulein. 
„Nein, gar nicht freundlich“, sagt die verwitwete Rechts— 
anwältin. 
Wieder spricht der brummende Emigrant: „Ich kann mich 
durchaus nicht beklagen, der Mann ist immer sehr höͤflich, 
nimmt die Mütze ab.“ 
„Ja,“ sagt die Doktorsfrau,,die Mütze nimmt er ab, aber 
er lächelt nie dazu.“ 
Niemals,“ sagt das adlige Fräulein, „man lächelt doch.“ 
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