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Der gute Richter

Full text: Das Sling-Buch / Sling (Public Domain)

Das Sling-Buch 
„Sie sind also der Verfertiger der ausgezeichneten Schnecken 
und Kranzstangen, die ich bis vor einem Jahr mit so viel Ver⸗ 
gnügen gegessen habe. Ihre Konditorei genoß in unserer Familie 
eine geradezu beispiellose Popularität, und meine Kinder be— 
stürmten mich jeden Sonnabend: Kaufft duSchnecken, geh zu ..“ 
Aber auch wir Erwachsenen waren damals der Überzeugung, 
daß Ihr Geschäft das einzig reelle unserer ganzen Gegend sei. 
Durch die heutige Gerichtsverhandlung erfahre ich nun zu 
meinem lebhaften Bedauern, daß diesen Grad der Reellität zu 
erreichen Ihnen nur dadurch möglich war, daß Sie anstatt der 
erlaubten zehn Prozent fünfundachtzig Prozent Weizenmehl ver⸗ 
wendeten. Wenn man will, war es also keine Hexenmeisterei, ein 
so vorzügliches Resultat zu erzielen. Aber Sie hatten den Mut, 
lieber eine Strafe auf sich zu nehmen, als minderwertiges Ge— 
bäck zu liefern. Nun, so wird Ihnen ja auch die Strafe nicht 
schwer fallen — ich aber kann nicht umhin, Ihnen nochmals 
mein Kompliment auszudrücken und Ihnen zu versichern, daß 
ich noch heute einer der treuesten Kunden Ihrer vortrefflichen 
Konditorei bin.“ 
Das Fräulein vom Kurfürstendamm 
„Wegen Betretung des Kurfürstendamms drei Tage Haft.“ 
Indessen sprach das Herz des Richters: 
„Eigentlich bin ich Ihnen nicht böse, denn durch Ihren Fall 
habe ich etwas Neues und Uberraschendes gelernt: nämlich, daß 
der Kurfürstendamm nur von anständigen Menschen betreten 
werden darf. Da Sie aber — Verzeihung, mein Fräulein — 
erstens einen Beruf ausüben, der, wie man mir gesagt hat, 
nicht zu den anständigen gehört, zweitens bei der Betretung des 
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