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Auf das Grab eines Liebenden

Full text: Das Sling-Buch / Sling (Public Domain)

Auf das Grabeines Ltebenden 
schon wankend unter einer Last, wenn auch leise geschmeichelt 
über den Triumph der schönen Frau. Diese Triumphe waren 
häufig und vollkommen. 
Vor einem Jahr verließen sie die nordische Stadt und gingen 
in Feindesland. Auf der Durchreise waren sie in Berlin. Wäh— 
rend er in Geschäften umherging, sorgten Freunde für die Er— 
heiterung der Frau. Als einer einmal die Frau dem Gatten 
in's Hotel zurücklieferte — sehr spät — sagte sie zu dem Manne: 
„Sieh, das ist ein Kavalier, der hat heute für mich ausge⸗ 
geben —“ und sie nannte in ihrem entzückenden Nordisch eine 
vierstellige Zahl. Der Mann und der Kavalier grinsten sich 
zärtlich an. 
Dann reisten sie ab. Nach einiger Zeit erfuhr man, daß er 
ihr sein gesamtes Vermögen überschrieben habe. Das war 
sein Bolschewismus. Kurz darauf geschah das Folgende, das 
an eine altitalienische Novelle erinnert. 
Sie hatte unter den heißblütigen Söhnen des fremden Landes 
einen Freund gefunden und wollte eine volle Woche des Glücks 
verleben. Da ging sie zu ihrem Manne und sagte: „Du hast 
mir dein Vermögen überschrieben. Das war sehr nett von 
dir, aber unvorsichtig. Denn man ist, wie ich durch besondere 
Beziehungen weiß, dahinter gekommen, daß du dabei eine 
Steuerhinterziehung begangen hast. Man will dich verhaften, 
ich rate dir, verschwinde auf eine Woche aus der Hauptstadt, 
ich regle inzwischen alles durch meine besonderen Beziehungen 
und werde dir schreiben, wann du zurückkommen kannst.“ 
Er reiste ab. Inzwischen regelte sie alles durch ihre be— 
sonderen Beziehungen, nach acht Tagen erlaubte sie ihm die 
Heimkehr. 
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