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Cyrano

Full text: Das Sling-Buch / Sling (Public Domain)

Das Sling-⸗Buch 
Cyrano 
arm⸗ und gedankenlos sitze ich auf der Terrasse des Kaffee— 
H hauses. Plötzlich fällt mein Blick auf etwas Erstaunliches, 
Ungeheures, noch nicht Dagewesenes. Eine Nase. Halt, es 
hängt auch ein Mensch daran. Cyrano ist ein alter Herr ge⸗ 
worden. Ein Südländer ist er immer noch, aber kein Chevalier 
mehr, er reist in Geschäften, ich weiß nicht, in welchen, aber 
sicher in guten. Denn er ist vergnügt, hat einige andere süd⸗ 
ländische Geschäftsfreunde um sich versammelt. Auch eine Dame 
ist dabei, eine feine blasse. Cyrano ist sehr galant und durchaus 
nicht melancholisch. Er zwinkert vergnügt mit den Auglein, 
plaudert so lebhaft, daß sein weißer Knebelbart auf und nieder 
geht, und er wendet die Nase hin und her. 
Diese Nase. Wahrlich, eine Nase wie diese Nase bringt 
unser Klima selbst in Treibhäusern nicht hervor. Die Sonne 
des Südens hat sie getrieben, gereift, gerötet. Eine Nase, bei 
der die sogenannten Nasenlöcher gar keine Rolle mehr spielen. 
Sie atmet aus allen Poren, aus diesen tiefen Gruben, die 
die Zeit und Erfahrung in sie hineingebohrt haben. 
Diese Nase verläuft in ihrem oberen und mittleren Teil ganz 
normal, dann aber kommt's: ein nach unten gekrümmtes Post⸗ 
horn, eine Berlocke, der (noch immer) zusammengerollte Rüssel 
eines Rieseninsektes, wie, wenn er seine ganze Herrlichkeit ent⸗ 
faltete! 
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