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Sei milde - Klotilde

Full text: Ick lach ma'n Ast / Lederer, Franz (Public Domain)

Mit andern Vornamen verbinden sich ganz be—⸗ 
stimmte, für den Träger des Namens oft recht pein—⸗ 
liche Vorstellungen, deren Ursprung schwer zu ermitteln 
ist. Warum sagt man z. B. „Anton, steck'n Dejen in“? 
Warum hat derselbe Anton eine Baubaujacke trotz 
der erhabenen Vorbilder, die Shakespeare uns im 
„Julius Cäsar“ und Goethe im „Torquato Tasso“ ge— 
geben hat? 
Noch schlimmer ergeht es dem armen August, der 
geradezu zu einem Spottnamen geworden ist. Ein 
Mensch, der zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt, ist ein 
„Flaumenaujust“. Kennt der Berliner den 
Namen eines andern nicht, so fragt er unwillkürlich 
„Wat is'n det for'n Aujust?“ Oder er sagt: „Kick mal 
den Aujust mit de Klamottenbeene — Det is ja Aujust 
mit de kalte la main.“ Der unglückliche August muß 
dauernd die schöne Aufforderung hören: 
„Aujust, sollst mal runterkommen, 
Sollst mal bei Aujusten kommen.“ 
Wenn nicht mit Angust, werden Leute, deren Vor⸗ 
namen man nicht kennt, gern mit Karl angeredet. Ein 
Mensch, der schwer begreift, aber schließlich doch mit ein 
wenig Hilfe hinter die Sache kommt. wird mit fol⸗ 
gendem Verschen aufgezogen: 
„Karlchen, Karlchen, kieke mal, 
Kiek' mal die Fonteene. 
Tippst de mit'n Finger 'ran, 
Jeht's von janz alleene.“ 
Freundlicher wird Karline behandelt. Ihr Name 
dient zur Bezeichnung der flachen Schnapspulle, die der 
Alkohol liebende Berliner in der Innentasche seines 
Rockes trägt. Sie wird sehr zärtlich behandelt. Schon 
Glaßbrenners Eckensteher-Nante preist sie in folgenden 
Lobeserhebungen: 
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